Die Geschichte des Flugplatzes Wiener Neustadt West ist lang und der Platz spielte in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle. Vor allem aufgrund der strategisch günstigen Lage und der anlaufenden Flugzeug- und Waffenproduktion war der Flugplatz und die Umgebung jedoch im zweiten Weltkrieg vermehrt Ziel verheerender Bombenangriffe.


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    11. Juni 1909: Grundsatzbeschluss

    Der Stadtrat von Wiener Neustadt beschließt am 11. Juni 1909 die Errichtung eines Flugplatzes in Wiener Neustadt.

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    17. November 1909: Beginn der Arbeiten

    Das Areal des heutigen Flugplatzes Wiener Neustadt West wird zum Flugplatz erklärt. Zeitgleich wird mit der Errichtung der ersten drei Hangar Gebäude begonnen. Zu Beginn werden am neugeschaffenen Flugfeld ausschließlich Militärflugzeuge stationiert, doch schon bald siedeln sich auch erste private Vereinigungen am Flugplatz an. Der Flugplatz wird später die ICAO Kennung LOXN erhalten.

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    1910: Erste fliegerische Bewerbe

    Der neue Flugplatz wird bestens angenommen und so ist es kein Zufall, dass bereits ein Jahr später drei fliegerische Bewerbe am Flugfeld Wiener Neustadt zu Buche schlagen. Auch Kaiser Franz Joseph soll bei diesen als Gast gesehen worden sein.

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    1911: Militär intensiviert Schulungsbetrieb

    Mit der Anschaffung einiger „Etrich Tauben“ Flugzeuge intensiviert das Militär am Standort Wiener Neustadt die Ausbildung neuer Feldpiloten. Die nicht-militärische Nutzung des Flugfeldes geht in dieser Zeit zurück, da das neue Flugfeld in Aspern bei Wien das Interesse Flugbegeisterter auf sich zieht.

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    1914-1918: Das Flugfeld im ersten Weltkrieg

    Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 gewann der Standort Wiener Neustadt vor allem aus militärischer Sicht stark an Bedeutung. Die österreichische Flugzeugfabrik AG (Oeffag) wurde gegründet und Kampf-, See- und Jagdflugzeuge wurden hier gebaut. Doch mit dem Vertrag von Saint Germaint, der am 10. September 1919 geschlossen wurde und das Ende des ersten Weltkrieges bedeutete, mussten Hangar demontiert werden, Flugzeuge und Motoren wurden teilweise zerstört. Der Flugbetrieb am Flugplatz Wiener Neustadt West ging daraufhin stark zurück und die Zukunft des Platzes schien ungewiss.

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    1929: Aufschwung für Flugplatz

    Der Fliegerschule Graz war es dann 1929 zu verdanken, dass wieder vermehrt Flugbetrieb in Wiener Neustadt zu sehen war, denn die Flugschule nutzte das Flugfeld als Außenlandeplatz.

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    1934: Auch das Militär kehrt zum Platz zurück

    Die Kaserne am Flugplatz Wiener Neustadt, die den ersten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, wurde im Jahr 1934 neu vom Militär belebt. Eine Akademiestaffel der Militärakademie bezog diese und damit gewann der Flugplatz auch im militärischen Sinn wieder an Bedeutung.

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    1936: Erwerb durch das Verteidigungsministerium

    Sämtlicher ziviler Luftverkehr wurde im Jahr 1936 vom Flugplatz Wiener Neustadt West verbannt, denn das Verteidigungsministerium kaufte das Areal, um dieses ausschließlich für militärische Zwecke zu verwenden. Weitere Hangars, Werkstädten und ein Turm wurden am Flugplatz errichtet.

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    1939-1945: Der Flugplatz im zweiten Weltkrieg

    Mit dem Anschluss an das dritte Reich stieg auch die Bedeutung des strategisch günstig gelegenen Flugplatzes Wiener Neustadt enorm und schon bald wurde die Anlage zu klein. Unter Führung der deutschen Luftwaffe wurde der Flugplatz stark erweitert und ein Flugzeugwerk der Firma Messerschmitt wurde errichtet. Beim Balkanfeldzug diente der Flugplatz als Basis der Militäraktionen.
    Die stategische Lage blieb jedoch auch bei den Alliierten nicht unbeobachtet und so war der Flugplatz ab 1943 vermehrt Ziel heftigster Luftangriffe. Am 13. August 1943 wurde der Flugplatz und das umliegende Areal stark beschädigt, der Flugbetrieb ging dennoch weiter. Erst 1945 musste dieser eingestellt werden, nachdem Bodentruppen der roten Armee den Flugplatz eingenommen hatten. Die Sowjets nutzten den Flugplatz jedoch ebenfalls als militärische Basis und bauten diesen sogar aus (Landebefeuerung, Instrumentenfluganlage wurden gebaut).

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    August 1955: Flugplatz wieder in österreichischer Hand

    Im August 1955 wurde der Flugplatz wieder zurück an die Republik Österreich gegeben. Doch das Militär hatte Bedenken, hier erneut eine Basis zu errichten, denn strategisch war der Platz in der unmittelbaren Nähe des eisernen Vorhangs nicht mehr so interessant, zudem gab es Bedenken die vom Krieg und den Bombenangriffen gebeutelte Bevölkerung erneut mit einem Flugplatz zu konfrontieren. Daher waren es in dieser Zeit vorwiegend private Vereine, die vereinzelt den Flugbetrieb am Flugplatz Wiener Neustadt wieder aufnahmen.
    Erst später beschließt das Militär, den Platz für die Fallschirmsprungausbildung wieder zu nützen. Einen zusätzlichen Aufwind vor allem in der zivilen Nutzung brachten die Schließung der beiden nahen Flugfelder Aspern und Donauwiese, wodurch sich zahlreiche Vereine am Flugplatz Wiener Neustadt West ansiedelten.

Der Flugplatz heute

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Hektar
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Vereine
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Militärbasis

Heute umfasst der Flugplatz Wiener Neustadt West, ICAO LOXN, eine Flugplatzfläche von rund 350 Hektar, die sich Militär und private Vereine teilen. Der Platz ist der größte Rasenplatz Europas, was nicht zuletzt der besonderen Beschaffenheit des Bodens am Flugfeld Wiener Neustadt zu verdanken ist. Eine dichte natürliche Schotterschicht unter dem Rasen sorgt dafür, dass der Boden eine sehr gute Tragfähigkeit aufweist und so auch tonnenschwere Maschinen in Wiener Neustadt landen können. Zudem stellt auch Regen für den Platz kein großes Problem dar, da das Regenwasser rasch absickern kann. Die besondere Erdbeschaffenheit im Zusammenhang mit der Flora & Fauna wurde auch von der Europäischen Union erkannt, die den Platz per Richtlinie schützen lies. Damit sind auch die am Platz ansässigen Ziesel, die oft Sporenradgroße Löcher in die Start- und Landepisten graben, geschützt.

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es immer wieder Diskussionen um den Ausbau des Flugplatzes. So wurde etwa 1955 eine Studie mit dem Thema „zentraleuropäischer österreichischer Flughafen“ erarbeitet, die dem Standort Wiener Neustadt sowohl von der Infrastruktur als auch der Arbeitsmarktsituation beste Bedingungen bescheinigte. Den Zuschlag erhielt damals aber die Gemeinde Schwechat. 1989 wurde erneut evaluiert, am Standort Wiener Neustadt West einen Regionalflughafen zu errichten. Es folgten jedoch keine konkreten Umsetzungen.
Im Zuge der Bundesheerreform Anfang der 2000er Jahre stand gar zur Diskussion, die militärische Basis in Wiener Neustadt West (LOXN) einzustellen – eingehende Diskussionen sowohl von Seite des Militärs als auch der zivilen Vereine am Flugplatz Wiener Neustadt West führten jedoch dazu, dass der Platz Seitens des Militärs weiterhin erhalten bleibt.

Der Flugplatzlayout wurde im Laufe der Jahre mehrmals geändert und Pisten ergänzt. Heute verfügt der Platz über 6 Pisten, Fläche für den Segelbetrieb inklusive einer Winde und eigenen Landeplätzen für Fallschirmspringer.


Fakten entnommen dem Buch
„100 Jahre FLugfeld Wiener Neustadt West“
von Carina Chitta/Ilja Steffelbauer